{"id":17,"date":"2019-05-12T14:55:14","date_gmt":"2019-05-12T14:55:14","guid":{"rendered":"http:\/\/both-net.ch\/?p=17"},"modified":"2019-05-12T14:55:47","modified_gmt":"2019-05-12T14:55:47","slug":"17-der-einsame-revoluzzer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/both-net.ch\/index.php\/2019\/05\/12\/17-der-einsame-revoluzzer\/","title":{"rendered":"Der einsame Revoluzzer"},"content":{"rendered":"<p>Pl\u00e4tscher, Rausch und Phiuuu. Die Ger\u00e4usche der Natur. Seine H\u00e4nde und F\u00fcsse, der Fluss und der Wind waren seine einzigen Beobachter und treuen Gef\u00e4hrten. So wie er da am Fluss sass, seine F\u00fcsse gem\u00fctlich im Wasser treiben lassend, h\u00e4tte ein Aussenstehender m\u00f6glicherweise gedacht, er w\u00fcrde planschen; Nach einem langen Arbeitstag voller Stress und Sorgen seine Seele und Beine baumeln lassen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In Wahrheit jedoch was dies sein einziger Lebenszweck. Gerade sch\u00f6pfte er wieder eine Handvoll Wasser und goss sie \u00fcber die ihn umgebenden Gew\u00e4chse. Eines Tages, so sagte er sich, wird mein Bestreben Fr\u00fcchte tragen. Ich lasse mich von nichts unterkriegen, nicht vom Schicksal oder der Wissenschaft, nicht von Rationalit\u00e4t oder Glauben, von gar nichts! Diese Welt, in der ich lebe, ist ver\u00e4nderlich! Wenn wir uns anschicken, an den Grundpfeilern der Erde zu r\u00fctteln, kann mir dieser Fluss kein Hindernis sein! Er muss weichen! Selbst wenn nicht heute, dann doch morgen, oder \u00fcbermorgen, aber sicher, irgendwann bring ich ihn zum Versiegen, das schw\u00f6re ich bei Gott!<\/p>\n<p>Da er von Hunger und Durst geplagt wurde, entschied er sich bald, das Flusswasser statt ins Unkraut in seinen Rachen perlen zu lassen und Fische zu fangen, sch\u00f6ne, frische Fische. Fast war er schon versucht, seinen ersten Fang roh zu verspeisen, als er sich erinnerte. Er machte ein Feuer, grillte den Fisch und gen\u00fcsslich speisend kniete er am Flussrand. Doch trotz alledem h\u00f6rte er nicht mit seinem Vorhaben auf, obwohl Wasser wie Fische ihm zusehend ans Herz wuchsen.<\/p>\n<p>Es rauschten dreizehn Jahre den Fluss hinab, und das Auge des aufmerksamen Betrachters h\u00e4tte genau die gleiche Szenerie vorgefunden wie anno dazumal.\u00a0 M\u00fcde und ersch\u00f6pft wollte er sich erheben, um seinem t\u00e4glichen Ritus des Schlafes nachzukommen, als er ausrutschte und Nase voran in den Fluss fiel. Und es war eigenartig; hatte ihn der Fluss doch davor ganze zehn und drei weitere Jahre nur geduldet und ganz knapp ern\u00e4hrt, rissen ihn die wilden Fluten nun an sich, hielten ihn fest umschlossen, seinen K\u00f6rper von allen Seiten liebevoll streichelnd; sein sowieso schon hoch\u00a0 erregtes Gem\u00fct noch weiter in Wallung zu bringen. So k\u00fcssten sie ihn heftig und mit brennender Inbrunst und ga\u00adben ihn, selbst als ihm schliesslich der Atem von der fortlaufend verlangenden Liebe wegblieb, nicht mehr frei.<\/p>\n<p>So kam es nun, dass eine unidentifizierbare Leiche im Leichenschauhaus der Polizei landete. Da diese als Wasserleiche potentiell Opfer einer Gewalttat geworden sein konnte, sezierten ihn die gelehrten chirurgischen Mediziner vor Ort \u00e4usserst gr\u00fcndlich, fanden in ihm jedoch nichts ausser den \u00dcberresten seiner letzten Mahlzeit, die Gr\u00e4ten einer Regenbogenforelle,\u00a0<em>Oncorhychus\u00a0mykiss<\/em>, sie w\u00e4re bestimmt lecker gewesen, jaja, das war sie ganz bestimmt. Und lachend\u00a0nimmt\u00a0der Alltag seinen Lauf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pl\u00e4tscher, Rausch und Phiuuu. Die Ger\u00e4usche der Natur. Seine H\u00e4nde und F\u00fcsse, der Fluss und der Wind waren seine einzigen Beobachter und treuen Gef\u00e4hrten. 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